| Text |
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Übersetzung |
| 1 |
Wenn
itzunt
einem framen syne sake ummeslecht, |
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1 |
Wenn sich heutzutage die Angelegenheit eines Rechtschaffenen gegen ihn
wendet, |
| 2 |
So spreken de andern, em geschee gantz recht. |
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2 |
dann sprechen die anderen, dass es ihm ganz recht geschehe. |
| 3 |
Und dencken doch nicht de dullen luͤde: |
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3 |
Und die törichten Leute denken nicht: |
| 4 |
»
Em sy morgen als my ys huͤde.« |
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4 |
»Ihm wird es morgen so ergehen wie mir heute.« |
| 5 |
So gheyt en aver den bueck ock ein radt, |
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5 |
Auf diese Weise geht ihnen ein Rad über den Rumpf, |
| 6 |
Denn dat geluͤcke beweget sick fro und spadt: |
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6 |
denn das Glück bewegt sich früh und spät: |
| 7 |
Fart
snelle up und balde wedder nedder; |
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7 |
Es fährt schnell herauf und wieder herab; |
| 8 |
Regert huͤden geluͤcke, morgen ungeluͤcke wedder. |
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8 |
regiert heute das Glück, so morgen wieder das Unglück. |
| 9 |
Nemandt synen negesten boͤsslick oͤrdelen schal. |
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9 |
Niemand soll seinen Nächsten boshaft verurteilen. |
| 10 |
Wol dar steith, de wachte sick, dat he nicht fall. |
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10 |
Wer also steht, der hüte sich davor, dass er nicht falle. |
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Textkritischer Apparat
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Transkribierte Sprüche |
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In RB eingeleitet durch: Henſelin ſprickt.
Die Lesart nach WS₁ und WS₅ mit dem Flexionssuffix -en
und somit einem anzunehmenden Akkusativobjekt einen framen erscheint inhaltlich wenig sinnvoll.
Daher geben wir hier der Lesart nach RB, WS₂ bis WS₄, WS₆ und WS₇
mit dem Dativ-Suffix -em den Vorzug, unabhängig davon,ob man einem framen
valenzgebunden oder als dativus incommodi versteht.
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