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Edition der Sprüche

Trefferzahl: 1


e705_wol-hyr

Text Übersetzung
1 Wol hyr siten wil und raden, 1 Wer hier sitzen und als Ratgeber wirken will,
2 De schal syn van ehrliken daden, 2 der soll sich durch ehrliche Taten auszeichnen,
3 Bedechtich, still und vorschwegen 3 bedächtig, still und verschwiegen sein
4 Und alle sake na notdorfft erwegen, 4 und alle Sachen nach ihrer Notwendigkeit abwägen,
5 Ock sanfftmuͤdich, guͤdich und mildt, 5 er soll auch sanftmütig, gütig und freigiebig sein,
6 Syn raͤdtslach nicht gudtduͤnckel edder wildt, 6 sein Rat soll weder selbstgefällig sein noch über den Gesetzen stehen,
7 Und swygen, beth men en deith fregen, 7 und er soll schweigen, bis man ihn fragt,
8 Alse denn syne meninge darup seggen 8 dann erst seine Ansicht darlegen,
9 Und stedes raden thor rechten ban 9 er soll stets Ratschläge entsprechend der Rechtsordnung geben
10 Und daryn eigen nuͤtt nicht sehen an, 10 und dabei nicht auf Eigennutz achten,
11 Sunder dem rechten na trachten 11 sondern das Rechtmäßige anstreben
12 Und eines andern raͤdt nicht vorachten. 12 und den Rat eines anderen nicht verhöhnen.
13 Und wat he nicht vorbetern kan, 13 Und das, was er nicht verbessern kann,
14 Schal he ungereformert lan; 14 soll er auch wirklich unangetastet lassen;
15 Ock nicht underdruͤcken den armen. 15 auch den Armen nicht unterdrücken.
16 So wert sick Godt syner erbarmen. 16 Auf diese Weise wird sich Gott seiner erbarmen.
17 Hyranne geschuͤth des Foͤrsten gefallen, 17 Darin entscheidet sich des Fürsten Schicksal,
18 So secht Syrach am ersten und yn allen. 18 so sagt es Jesus Sirach zuerst und in allem.
 
Textkritischer Apparat Transkribierte Sprüche

Wir folgen hier in V. 14 der Lesart in WS₂/WS₃ bzw. WS₇. Das Prädikat Schal vngefexirt lan in WS₁ (und WS₅) würde zwar semantisch gut in den Kontext passen (s. v. vexêren i. S. v. ›belästigen,quälen‹; hier auch unvexêrt lâten ›in Ruhe lassen‹ vgl. Mnd. Hwb. I, Sp. 715), aber der semantisch-syntaktische Zusammenhang der Lesart in WS₁ (und WS₅) erscheint u. a. deshalb verschleiert, weil die syntaktische Funktion der Pronominalphrase einen andern Zweifel aufwirft. Das satzförmige Akkusativobjekt ist bereits in V. 13 realisiert, man könnte hier allenfalls von einem Dativ ausgehen.

WS₁, WS₂, WS₃, WS₄, WS₅, WS₆, WS₇